Übersicht
Polen: Masuren
7.6. - 12.6.
Kriegsgräber   Hafen im Wald   Masurischer See     Störche an jeder Ecke  
Mi. 9.6.
Ein Yachthafen mitten im Wald: Ruciane-Nida. Von hier aus erreicht man - auch Paddler - zu Wasser die großen Seen in diesem Teil der Masuren. Die Schiffchen werden an diesem sonnigen Tag mit guter Brise aus NW klar gemacht. Der Kapitän vom Ausflusschiff bessert aus. Ich kann mir vorstellen, dass es am Wochenende hier nicht so friedlich zugeht. Aber idyllisch ist es schon und draußen auf den Seen wird vielleicht weniger los sein als auf unseren mecklenburgischen.
Beim Rausfahren sehe ich die Strasse als das zugehörige touristische Zentrum. Restaurants, Bars, Läden,... Später an einem anderen Seeufer sitzend weiss ich, dass ich eines der bei uns so vielfach angebotenen Radtour Gebiete durchquert habe. Überall - auch in deutsch - Angebote von Zimmern, Essen und was der Radwanderer so braucht. Da sind die mecklenburgischen Seen mir doch näher und sicher bald auch nicht mehr teurer.
Bis hierher bin ich zuerst durch eine Landschaft gefahren, die wie gestern wellig, mit Felder, Weiden, malerisch gegliedert durch Inseln von Baumbeständen, hin und wieder ein See, sich von ihrer besten Seite zeigt. Auch deshalb, weil der Sturm nachgelassen hat. Er hat kältere und klare Luft gebracht. Er kommt jetzt aus NW und kann mich je nach Straßenverlauf auch oft schieben.
Später wird das Land flach und ich fahre durch endlose, lichte Wälder. Zuerst vorwiegend Kiefernwälter, später Misch- und Laubwälder. Sie laden zum Wandern ein, anders als die litauischen Sumpf-Urwälder, durch die ich vorgestern fuhr. Allerdings würde ich hier vorsichtshalber Karte und Kompass mitnehmen - so groß erscheinen sie mir aus meiner begrenzten Perspektive.
Hinter Elk kam ich an einem deutschen Soldatenfriedhof vorbei. Einer der größten im ehemaligen Ostpreußen, wie die Eingangserklärung sagt. Leicht protzig, völlig neu an Stelle eines anderen aus dem 1. Weltkrieg stammenden errichtet. Protzig stellt er sich mir dar, weil die Gedenkorte über Judenvernichtung (Genocido ydu) und Partisanengräber in Litauen, die ich vor allem aufgesucht hatte, wenn es überhaupt einen Hinweis gab, keinen gepflegten, d.h. aktiven Gedenkstättencharakter hatten. Ich hatte auch nur deutsche Namen gelesen und habe doch die Erwartung, dass man zum Gedenken an die Sinnlosigkeit und Grausamkeit eines Krieges z.B. auch sowjetische Soldaten hier bestattet hätte.
Der ganze Tag ist leicht und sonnig. Das Frühstück war mit Rührei, Schinken, Wurst und Schmelzkäse richtig fett-polnisch und hielt lange vor. d.h. ich brauchte auch nur Lockerungspausen. In Szczytno wollte ich dann bei einem Hotel am Ortsausgang nur mal den Preis für eine Übernachtung erfragen. Das Hotel war geschlossen, aber eine ältere Frau, die gerade in einem Fiat wegfahren wollte, redete auf mich ein, ich solle warten: "Einä Minut bittä"! Der Preis für die Nacht wäre Zl 50,- Ich sagte nur, dass ich ein billiges Zimmer brauche, das ging sie schon auf 40,- runter (mit Dusche!) Und jetzt kriege ich noch Abendessen. Der Tag endete so wie er begann: sauber, geduscht, warmes Essen, ein Bier (zusammen Zl 15,-), Bett. So gefällt mir Polen. Unter solchen Bedingungen - auch klimatischen - könnte ich auch zum Nordpol radeln.
Natürlich freue ich mich, dass ich bald zu Hause bin und dass ich keine Durststrecke mehr durchstehen muss.
Es sind noch andere Gäste eine Familie, im Haus. Es scheinen aber Verwandte oder jedenfall gute Bekannte zu sein.

Seitenanfang

Übersicht